Die Roaring Forties und der Antarktische Zirkumpolarstrom

Gibt es den 'richtigen' Weg, die Welt zu umsegeln?

Sollte man Seemännern Glaube schenken, gebe es sicherlich den "falschen" Weg: von Osten nach Westen, gegen Windrichtung und Strömung.

Im Zeitalter der Segelschiffe vor dem Bau des Panamakanals mussten Schiffe das Kaphoorn an der südlichen Spitze Amerikas umrunden, um Passagiere von der Atlantikseite zur Pazifikseite des Kontinents zu befördern. Kaphoorn war berüchtigt wegen der dort lauernden Gefahren: starke Winde, hohe Wellen und schwimmende Eisberge. Wer es schaffte, das Kaphoorn erfolgreich nach Westen zu umrunden, gehörte fortan zu den 'besseren' Matrosen. Diese durften einen Ring am linken Ohr tragen und in den Wind pinkeln.

Die Welt zu umsegeln bedeutet heute immer noch: dem kalten, stürmischen, eisbergverseuchten südlichen Ozean am Antarktis zu trotzen. Dies noch "falsch herum" zu tun, nach Westen gegen den Wind, gilt als besondere Herausforderung.

Die Roaring Forties

Das Kaphoorn westwärts zu umrunden bedeutet gegen die Roaring Forties zu segeln. Es sind die vorherrschenden Westwinde, die den Globus zwischen den 40. und 60. südlichen Breitengrad umkreisen. Da der Wind von keiner Landmasse unterbrochen wird, sind die Roaring Forties stärker und hartnäckiger als die Westwinde auf der Nordhalbkugel. Windgeschwindigkeit auf dem Gebiet zwischen 40°S and 60°S beträgt im Durchschnitt 15-24 Knoten (8-12 m s-1). Zwischen dem 45°S und 55°S sind sie gewöhnlich am stärksten.

Der Antarktische Zirkumpolarstrom

Der Antarktische Zirkumpolarstrom (oder ACC-Antarctic Circumpolar Current) wird von den Roaring Forties angetrieben. Der ACC ist die größte Meeresströmung der Welt, seine enormen Wasservolumen gleichen mehr als hundertfach der Wassermengen aller Flüsse der Welt zusammen. Dennoch beträgt seine Geschwindigkeit an vielen Stellen nur etwa 20 cm s-1 oder weniger.

Die enormen Wassermengen, die der ACC transportiert, beruht nicht von seiner Geschwindigkeit sondern vielmehr von seiner Breite und Tiefe. Im Gegensatz zu anderen windgetriebenen Strömungen, die nicht tiefer als 800-1000m werden, kann der ACC eine Tiefe von 2000-4000 m von der Oberfläche und eine Breite von bis zu 2000 km erreichen.

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 Der Klipper 'Red Jacket'
Der Klipper Red Jacket segelte durch das Eis bei Kaphoorn auf seiner Fahrt von Australien nach Liverpool, August 1854. Quelle: Australian Maritime Museum.
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 Ein Schiff kämpft gegen den Sturm
Ein Segelschiff kämpft sich durch einen Sturm in der Südsee. Quelle: Rick Tomlinson Photography